Vorbei

Ach, was war ich gestern traurig, als ich die Runde machte, um meinen Kollegen auf Wiedersehen zu sagen.
Menschen, die man wochenlang jeden Tag gesehen hast, Menschen, über die man jeden Tag innerlich die Augen verdreht hat, Menschen, mit denen man jeden Tag endlich mal reden wollte, Menschen, mit denen man so viel geredet hat, Menschen, die man heimlich bewundert hat, Menschen, denen man seine Zuneigung ganz offen entgegenbringen konnte.
Nicht alle dieser Menschen konnte ich gestern angemessen verabschieden, je nachdem, wo sie sich arbeitstechnisch gerade aufhielten, und das hat mich schon sehr traurig gemacht. Ich war aber ganz tapfer und habe sehr viel gelächelt und gelacht, bis ich dann nach Arbeitsschluss draußen bei Tanaka abhing, um eine letzte Zigarette mit ihm zu rauchen. Er und unser Hausmeister waren mir wirklich die liebsten Freunde in 2 Monaten, die so schnell vergingen und doch eine Ewigkeit angehalten haben.
"Äußerlich lache ich, aber mein Herz weint", sagte Tanaka zu mir in einem stillen Moment, ehe er direkt den nächsten Witz machte. Da wurde mir wieder ganz anders und ich machte mich nach tausend weiteren Dankesbekundungen doch recht fix auf den Weg. Als ich mich aufs Rad schwang, stand das Wasser schon recht hoch, beim Winken stieg es weiter, und als ich um die Ecke bog, glaubte ich bereits, die Gefahr sei gebannt - da stand eine wirklich besonders liebe, sympathische Kollegin am Straßenrand (mit der ich auf meiner Abschiedsfeier hard generdet habe x3) und wartete auf mich, um mir noch einmal persönlich Tschüss zu sagen und mir zu gestehen, wie unglaublich traurig sie sei. Da waren die Schleusen dann endgültig auf, ich versuchte mich zwar ganz tapfer an einem Lächeln, sagte ihr, ich wäre auch wirklich traurig und dankbar für alles, aber aufgrund der hohen Heulgefahr müsste ich dann jetzt wirklich - wir lachten beide ein bisschen mit den ersten Tr#nen in den Augenwinkeln und als ich meinen letzten Abschiedsgruß zurück rief, klang der auch bereits etwas verheult. xD"
Hach Gott. Ich bin so eine Heulsuse. Aber Menschen verabschieden ist total nicht meine Stärke und gerade mit Tanaka-san und Hausmeister-san habe ich nun wirklich jeden Tag verbracht, manchmal sogar bis ins WE hinein. Die zwei sind besonders gute Seelen, so herzlich und clever, und ich bin wirklich tieftraurig, dass ich sie nicht allzu bald wiedersehen werde. Unser Dreier-Rauchergespann ist mir doch sehr, sehr lieb geworden.

 

Gleich packe ich meine allerletzten Sachen in den Koffer, putze noch einmal halbherzig über die bereits geputzte Wohnung und dann geht es ab. Endlich zurück in die Stadt. Zu Yuko. Mariko. Meinen Leuten <3


Yoshida-cho, ich werde dich nicht vermissen. Aber ein paar deiner Einwohner sind mir sehr teuer. Gib gut auf sie Acht.

28.9.12 00:10

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